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Wie das Pedelec die Verkehrswende beschleunigt: Was die Wissenschaft sagt

Ersetzt das Pedelec wirklich Autofahrten? Was die Forschung zu Klimabilanz, Nutzerverhalten und Rahmenbedingungen zeigt und was noch fehlt, damit aus dem Trend eine Verkehrswende wird.

By Helena Burgardt 4 minutes read time

Pedelec die Verkehrswende
About the author Helena Burgardt

Coming from the picturesque Black Forest, Helena Burgardt brings her passion for nature and aesthetics to the world of marketing. With an eye for exciting products and a heart for the bicycle industry, she writes about innovations, trends and the future of mobility. Her enthusiasm for the fascinating development of the bicycle world is infectious - and you can feel it in every one of her texts!

Der Verkehr ist der Sektor, in dem Deutschland seine Klimaziele am deutlichsten verfehlt. 2025 stiegen die Emissionen laut Umweltbundesamt auf 146,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, 2,1 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig fahren in Deutschland mehr als 17 Millionen E-Bikes. Reicht das, um etwas zu verändern? Dieser Beitrag fasst zusammen, was Studien von ifeu, Umweltbundesamt und Hochschulen zeigen, und nennt auch die Grenzen.

Was ein Pedelec vom normalen Fahrrad unterscheidet

Die Reichweite. Laut ifeu liegt die mittlere Wegelänge mit dem E-Bike bei 5,1 km, mit dem unmotorisierten Fahrrad bei 3,4 km. Steigungen und Gegenwind verlieren an Gewicht. Das Pedelec spricht damit Menschen an, für die das normale Rad zu anstrengend oder die Strecke zu weit war.

Dazu gehören etwa Ältere oder Menschen mit geringer Fitness. Für die Verkehrswende ist das entscheidend: Ein Verkehrsmittel wirkt nur, wenn es genutzt wird.

Wie viele Autofahrten ersetzt das Pedelec?

Das ist die Kernfrage, denn die Klimawirkung hängt fast vollständig davon ab. Die Studienlage ist uneinheitlich, zeigt aber in eine Richtung:

Studie Anteil Pkw an den verlagerten Kilometern
PEDELECTION (ifeu, 2013/14) 45 %
Deutsches Mobilitätspanel (2016 bis 2019) 33 %
Zürich, Mode-Choice-Modell (Reck et al., 2022) 48 %

Quelle: ifeu 2023, Tabelle 1. Beim Arbeitsweg lag der Anteil von Pkw und ÖPNV in PEDELECTION bei über 70 %.

Eine neuere Auswertung der Mobilitätsstudie „Mobilität in Deutschland“ mit 194.524 Wegen kommt auf 43,1 % aller E-Bike-Fahrten, die sonst mit dem Auto stattgefunden hätten. Bei den Kilometern sind es 63,2 %. Wir haben die Studie hier ausführlich vorgestellt.

Die Zahlen unterscheiden sich, weil Methode, Stichprobe und Zeitraum verschieden sind. Das Mobilitätspanel basiert auf nur 117 Personen, die sich ein E-Bike angeschafft haben. Als Faustregel gilt: Je nach Studie ersetzt das Pedelec zwischen einem Drittel und knapp der Hälfte Autokilometer. Ein Teil kommt vom ÖPNV und vom normalen Fahrrad.

Die Klimabilanz: günstig, aber nicht ohne Rechnung

Das Pedelec verursacht Emissionen, vor allem bei der Herstellung. Die Zahlen des ifeu im Überblick:

  • Verbrenner-Pkw verursachen pro Personenkilometer etwa das Zehnfache eines Pedelecs, Elektro-Pkw etwa das Siebenfache.
  • Der öffentliche Verkehr liegt etwa 2 bis 3,5 mal so hoch.
  • Die Herstellungsemissionen eines Pedelecs liegen um den Faktor 2 bis 3 über denen eines unmotorisierten Rads.
  • Entscheidend ist die Lebensfahrleistung: Bei nur 5.000 km steigen die Emissionen auf 50 bis 60 g CO₂-Äq. pro Personenkilometer. Bei 25.000 km liegen sie unter 15 g.

Der Kern: Wer ein Pedelec regelmäßig statt des Autos nutzt, gleicht die Herstellungsemissionen schnell aus. Gegenüber dem unmotorisierten Rad schneidet das Pedelec schlechter ab. Die Frage ist also immer, was es ersetzt. Eine eigene Rechnung dazu findest Du im Artikel E-Bike vs. Auto: Die Umweltbilanz.

Warum es trotzdem noch keine Verkehrswende ist

Das ifeu rechnet für 2022 bis 2030 mit kumuliert 2,5 bis 3,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, die durch den E-Bike-Markthochlauf zusätzlich eingespart werden könnten. Das sind etwa 0,24 % der erwarteten Emissionen des Verkehrssektors in diesem Zeitraum. Das ifeu betont, dass größere Effekte erst mit geänderten Rahmenbedingungen möglich werden, vor allem mit besserer Radinfrastruktur und höheren Kosten für das Autofahren.

Das Pedelec hat die Nische also verlassen, das Auto bestimmt aber weiterhin das Verkehrssystem. Gründe sind politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten sowie die kulturelle Bedeutung des Autos. Mehr Gewicht bekommt das Pedelec erst, wenn Autofahren teurer wird, etwa durch CO₂-Preis, höhere Parkgebühren oder eine City-Maut.

Was Menschen zum Pedelec-Kauf bewegt

Mehrere Studien nennen ähnliche Einflussfaktoren:

  • Radinfrastruktur: Radwege, sichere Abstellplätze und Lademöglichkeiten gelten als wichtigster Hebel.
  • Topografie: Je steiler das Gelände, desto größer der Nutzen.
  • Einkommen: Der hohe Anschaffungspreis gilt als zentrale Hürde.
  • Stadt oder Land: Die Befunde widersprechen sich. Auf dem Land sind die Wege länger, in der Stadt ist das Angebot an Radwegen dichter.
  • Umweltbewusstsein: Hilfreich, aber kein Hauptgrund. Auch Menschen mit geringem Umweltbewusstsein kaufen Pedelecs.

Für die Mobilitätswende ist das eine gute Nachricht. Das Pedelec funktioniert auch ohne ideologischen Überbau: Es ist bequem, spart Zeit auf mittleren Strecken und ist günstiger als ein Auto.

Was Politik und Kommunen daraus ableiten können

Aus den Studienergebnissen lassen sich vier Ansatzpunkte ableiten:

  1. Radinfrastruktur systematisch ausbauen: Breite, getrennte Radwege, sichere Abstellanlagen und Ladepunkte.
  2. Kaufförderung: Eine breite Förderung hilft, damit auch Haushalte mit niedrigem Einkommen Zugang haben. Gebrauchte Pedelecs sind eine weitere Möglichkeit.
  3. Radverkehrssicherheit erhöhen: Besonders in dicht besiedelten Räumen.
  4. Autofahren verteuern: Parkgebühren und CO₂-Preis als Gegenstück zur Förderung.

Als Käufer hast Du aber auch Möglichkeiten, die nicht von der Politik abhängen. Über Firmenradleasing zum Beispiel sinkt die Einstiegshürde deutlich. Wie das funktioniert, liest Du im Beitrag zu E-Bike über JobRad leasen.

Was Du selbst tun kannst

  • Die Pendelstrecke prüfen: Bis etwa 10 km ist das Pedelec in der Stadt oft das schnellste Verkehrsmittel von Tür zu Tür. Das Umweltbundesamt nennt bis 7,5 km als Grenze für den klaren Zeitvorteil.
  • Das Auto wirklich ersetzen: Die Klimabilanz entsteht dort, wo ein Pkw-Weg wegfällt, nicht bei zusätzlichen Freizeitfahrten.
  • Lange nutzen: Je mehr Kilometer, desto besser die Bilanz. Gute Pflege und ein Akkuwechsel statt eines Neukaufs verlängern die Lebensdauer.

Fazit

Das Pedelec ersetzt nachweislich Autokilometer, vor allem auf Arbeitswegen, und hat dabei eine deutlich bessere Klimabilanz als Pkw. Allein durch den Markt ändert sich das Verkehrssystem aber nur langsam. Erst mit besserer Infrastruktur, bezahlbarem Zugang und fairen Kosten für das Autofahren kann das Pedelec seine Wirkung ausspielen. Für Dich bedeutet das: Der Umstieg lohnt sich vor allem, wenn Du dafür regelmäßig das Auto stehen lässt.

Mehr zur Technik und zur Kaufberatung findest Du im Beitrag Pedelec: Was ist das eigentlich?.

Lichtpflicht am E-Bike: Was im Straßenverkehr vorgeschrieben ist

Sources & References

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Further information and FAQs about Häufige Fragen zu Pedelec und Verkehrswende

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Je nach Studie stammen etwa 33 bis 48 % der mit dem Pedelec gefahrenen Kilometer vom Auto. Eine Auswertung von „Mobilität in Deutschland“ kommt auf 63,2 % der Kilometer. Der Rest kommt vom ÖPNV, vom normalen Fahrrad oder ist zusätzlicher Verkehr.

Ja. Nach Berechnungen des ifeu verursacht ein Verbrenner-Pkw pro Personenkilometer etwa das Zehnfache, ein Elektro-Pkw etwa das Siebenfache. Das gilt inklusive Herstellung und Akku. Gegenüber dem unmotorisierten Fahrrad ist die Bilanz des Pedelecs schlechter.

Je mehr, desto besser. Nach dem ifeu liegen die Emissionen bei 5.000 km Lebensfahrleistung bei 50 bis 60 g CO₂-Äq. pro Personenkilometer, bei 25.000 km unter 15 g. Wer das Auto ersetzt, gleicht die Herstellung deutlich schneller aus.

Ja, mit Einschränkungen. Gerade dort verkürzt der Motor weite Wege und Steigungen. Für sehr weite Wege bleibt das Auto in dünn besiedelten Gebieten oft nötig. Wichtig sind gute Radwege auch zwischen Orten.

Der Anschaffungspreis ist eine zentrale Hürde. Haushalte mit niedrigem Einkommen kaufen deutlich seltener. Eine Förderung oder der Kauf eines gebrauchten Pedelecs kann diese soziale Lücke verkleinern.

Die Größenordnung ist in mehreren Studien gleich. Die genauen Werte hängen von Stichprobe, Methode und Annahmen zur Lebensdauer ab. Die ZIV-Bestandszahlen sind Hochrechnungen.

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